Gastarbeiter: zum Film Almanya-willkommen in Deutschland

„Gast“arbeiter, ein schöner Begriff für die Menschen, die nach Deutschland kommen durften, um hier die Drecksarbeiten zu erledigen. Schon während meiner Schulzeit hatte ich von Missständen bei der Unterbringung, den Arbeitsbedingungen, den Lebensbedingungen dieser Menschen gehört, lange bevor Günter Wallraff, „Ganz unten“ geschrieben hatte. Sie waren erforderlich für das Wirtschaftswunder und hatten großen Anteil am Gelingen. Dass mit den Arbeitskräften auch Menschen kamen, übersah man nur zu gerne.

Persönlich kennen lernte ich Gastarbeiter während meiner Semesterferien als Hilfsarbeiter im Hüttenwerk. Die meisten stammten zu dieser Zeit aus Anatolien. So erfuhr ich persönlich etwas über ihre Lebensumstände. Ich muss sagen, dass es schon sehr beschämend war, zu sehen, wie viele von ihnen ausgenutzt wurden mit überzogenen Mieten für kleine Zimmer, in denen mehrere Männer sich im Schichtbetrieb die Betten teilten. Umgekehrt waren sie trotzdem froh, dass sie mit dem hier verdienten Geld ihre Familien in der Türkei unterstützen konnten. Und nicht alle wurden schlecht behandelt.

Während einer Schicht von acht Stunden gab es genügend Zeit sich zu unterhalten. So lernte ich auch einige türkische Wörter, zB. die Zahlen und Grundnahrungsmittel, Begrüßungsfloskeln usw. Wir jungen Studenten hatten den intensivsten Kontakt zu den „Gästen“, wir waren unbefangen, ausserdem standen wir in der Arbeiterhierarchie ähnlich weit unten. Ein schönes Detail ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „unsere“ Türken aßen in den Pausen immer auch frische Tomaten, Gemüsegurkenstücke, Paprika, man lernt dazu.

Als ich einige Jahre später selbst mit Freunden die Türkei durchkreuzte, war ich sehr froh, dass diejenigen, die aus Deutschland in ihre Heimat zurückgekehrt waren, unser Land in guter Erinnerung behalten hatten, da war ich vorher eher skeptisch. Wir wurden überall ausgesprochen freundlich empfangen, zum Tee eingeladen, bewirtet. Zu dieser Zeit hat wohl kaum ein Deutscher einen Türken aus der Nachbarschaft zum Kaffee eingeladen? Auch ich habe dies erst viel später nachgeholt.

Einige wenige persönliche Eindrücke, mit Sicherheit nicht absolut representativ, aber echt.

Am Montagabend auf ARTE, wird der Film Almanya gezeigt. Ich finde ihn sehr gelungen. Bei allem ernsten Hintergrund gibt es auch viel zu lachen.

Autor: fuerfreiheitkaempfen

Seit 1975 bin ich Mitglied bei amnesty international. Im September 2017 habe ich mit dem Fahrrad den Mont Ventoux erklommen und dies mit einer Spendenaktion für amnesty international verbunden. In diesem Jahr werde ich Deutschland mit dem Fahrrad durchqueren und bitte wieder um Spenden an AI. Meinen Blog werde ich weiterführen als Dankeschön.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s